Gedenkstätten



Gedenkstätten

Viele Orte mit Täufergeschichte wurden noch nicht mit einer Erinnerungsstätte bedacht. Österreich war ein Land mit einer umfangreichen Täufergeschichte. Wir wollen Gedenkstätten errichten sowie erhalten.


Täufer-Gedenkorte in Tirol & Südtirol

Im Land Tirol (ein westliches österreichisches Bundesland) und in der italienischen Autonomen Provinz Südtirol sind auf Initiative des Hutterer Arbeitskreises Tirol & Südtirol 2015 und 2018 bemerkenswerte Gedenkorte für die verfolgten Täuferinnen und Täufer des 16. Jahrhunderts entstanden. Weitere werden vorbereitet. Im verkehrstechnisch strategisch wichtigen Gebirgsland fand in dieser Zeit das Täufertum in der Bevölkerung eine signifikant hohe Akzeptanz. Dementsprechend war die Verfolgung durch Staat und Kirche hier besonders brutal und blutig und trieb ca. 6000 Anhängerinnen und Anhänger in die Flucht nach Mähren, wo sie meist unter dem Schutz protestantischer Grundherrn zahlreiche gütergemeinschaftlich geführte Gemeinden errichteten. Einer dieser täuferischen Zweige, nämlich die Hutterer, überlebte nach weiteren Fluchtgeschichten letztendlich in den U.S.A. und in Kanada. Die Freundschaftspflege und die Begleitung zahlreicher hutterischer Besuchergruppen hat sich der Arbeitskreis u.a. zur Aufgabe gemacht. Die Realisierung verschiedener Gedenkorte und die damit verbundene öffentliche Auseinandersetzung mit diesem leidvollen Abschnitt der Tiroler Landesgeschichte im Beisein von Vertretern des Staates und der römisch-katholischen Kirche als Rechtsnachfolger der Täter- und Gesandte der Hutterer jener der Opferseite dienen der heilenden Geschichtsaufarbeitung.

Innsbruck

Gedenkstätte „Übrige Brocken“ im Huttererpark beim Hans-Psenner-Steg (2015)

Diese von Verena Paula Simeoni konzipierte Installation, bestehend aus 12 im Kreis liegenden Findlingen, auf denen je ein Wort des folgenden Bibelverses aus Sacharja 9,16 eingraviert ist: „Denn Steine auf Seinem Diadem sind die, die über Sein Land funkeln“, weist auf die bis heute wichtige und relevante Botschaft der Täufer (klare Glaubensentscheidung, Gewaltlosigkeit, hoher Gemeinschaftssinn und Gewissensfreiheit) hin.

Die zwölf vom Gletscherwasser glatt geschliffenen Steine symbolisieren das durch Fluchtbewegungen geprägte Gemeinschaftsleben der Hutterer. Die Zahl 12 steht für 12 Täuferinnen und Täufer, die in Innsbruck und in der näheren Umgebung verfolgt, gefoltert, inhaftiert und einige von ihnen sogar getötet wurden: +Michael Kürschner-Klesinger, +Anna Malerin, +Ursula Ochsentreiberin, +Jakob Huter, Ursula Hellrigl, Georg Libich, Michael Zeller und Gattin, +Hans Mandel, +Eustachius Kotter, +Georg Mair-Rack, und +Niclas Geyrsbühler. Die von der Stadt völlig neugestaltete und als „Huttererpark“ benannte Grünanlage wird stark von Familien und Radfahrern frequentiert, die sich dort umfassend an der Informationstafel über diese Gedenkstätte informieren können. Gelegen am Inn erinnert die Konzeption an den Hauptfluchtweg der Täuferinnen und Täufer auf diesem Fluss.


Gedenktafel „Jakob Huter“ beim Goldenen Dachl in der Innsbrucker Altstadt (2015)

2015 wurde die seit 1993 bestehende Gedenktafel für den 1536 vor dem Goldenen Dachl verbrannten Jakob Huter ausgetauscht und inhaltlich berichtigt. Darauf wird Jakob Huter als Märtyrer seines christlichen Glaubens bezeichnet und somit kirchlich rehabilitiert. Die Lettern des Textes gestaltete Verena Paula Simeoni in Form eines Scheiterhaufens. Jakob Huter war einer der bedeutendsten Vorsteher der Tiroler Täufer und Namensgeber für die „Hutterer“.


Schwaz

Gedenktafel „Hans Schlaffer und Lienhard Frick“ beim Gasthof Tippeler-Zur Krippe Burggasse 6 (2018)

Diese Gedenktafel erinnert an den – von Hans Hut und der spätmittelalterlichen mystischen Laienbewegung „Devotia Moderna“ geprägten – Missionar und Theologen Hans Schlaffer. Er wurde 1527 auf Burg Freundsberg inhaftiert und 1528 zusammen mit Lienhard Frick in der Staner Au enthauptet. Seine zum größten Teil im Verlies entstandenen theologischen Abhandlungen, Verhörberichte und vor allem seine Gebete gehören zu den bewegendsten Zeugnissen des Täufertums. Schwaz war vor ca. 500 Jahren ein bedeutendes europäisches Zentrum für den Silberbergbau und somit für neue Ideen und religiöse Denkweisen sehr aufgeschlossen.

Informationstafel „Täufertum in Schwaz“ im Heimatmuseum der Burg Freundsberg (2018)

Im Burgfried von Freundsberg befindet sich das Heimatmuseum und beim Abgang zum Verlies wurde die Informationstafel über das Leben und Wirken sowie den hohen Blutzoll der Schwazer Täuferinnen und Täufer (20 dokumentierte Hinrichtungen) angebracht. Vom Burghügel aus überblickt man das Inntal mit der Stadt und sieht auf das gegenüberliegende Staner Joch. Dort verabschiedete sich Jakob Huter 1533 als Vorsteher der Tiroler Täufergemeinden nach einem mehrtägigen geheimen Treffen, um danach mit Gefährten nach Mähren zu ziehen und dort die Gemeinden zu leiten.


Rattenberg

Gedenktafel „Pilgram Marpeck“ am Haus Schwarz Südtiroler-Straße 36 (2015)

Diese Tafel ist am Geburtshaus von Pilgram Marpeck angebracht. Sie erinnert an den 1528 aus Rattenberg geflohenen Bergrichter und Wasserbautechniker. Er schrieb bedeutende theologische Abhandlungen und vertrat eine moderate Sicht des Täufertums. Zudem versuchte er auch, die verschiedenen Täufer-Richtungen zu vereinen. Sein Netzwerk von Täufer-Untergrundgemeinden („Bundesgenossen“) war urban geprägt. Nach einer längeren Fluchtgeschichte und verdienstvollem Wirken als innovativer Leiter des Augsburger Wasserversorgungssystems starb er 1556 eines natürlichen Todes.


Gedenktafel „Lienhard Schiemer u.a.“ am Burgtor des Unteren Schlosses (2015)

Diese Tafel in Glas weist auf den hohen Blutzoll von Täuferinnen und Täufern in dieser Bergbaustadt (71 dokumentierte Hinrichtungen) hin. Unter den Hingerichteten war auch der Missionar und Bischof der Täufergemeinde in Rattenberg Lienhart Schiemer. Von ihm sind bedeutende theologische Abhandlungen und eine Weiterentwicklung einer Gemeindeordnung erhalten. Er wurde 1528 enthauptet. Folgende führende Täufer stammten aus dieser Stadt: Virgil Plattner, Sigmund Schützinger, Melchior Schlosser, Jörg Zaunring, und Georg Fasser und der bereits erwähnte Pilgram Marpeck. Die Hinrichtungsstätte beim Oberen Schloss („Halsgraben“) ist zurzeit nur über den westlichen Fußsteig erreichbar. Zwischenzeitlich befindet sich auch im Handwerkskunstmuseum Nagelschmiedhäuser eine Gedenktafel für die 71 Opfer der damaligen Täuferverfolgung. Rattenberg hat seinen eindrucksvollen spätmittelalterlichen Charakter bis heute bewahrt und ist als Ort der Glasverarbeitung bekannt geworden.


Klausen – Gufidaun

Gedenktafel „Georg Blaurock u.a.“ im Innenhof der Burg Summersberg (2015)

Diese mehrsprachige Gedenktafel erinnert an die im Verlies des anliegenden Rundturms untergebrachten Täuferinnen und Täufer, insbesondere an den Schweizer „Urtäufer“ und Missionar Georg Cajakob Blaurock, an den frühen Tiroler Vorsteher Michael Kürschner und an die Gattin Jakob Huters, Katharina geb. Prast. Die Tafel ist aufgrund der privaten Nutzung der Burg nur nach Voranmeldung beim Besitzer der Burg oder beim Arbeitskreis zugänglich.


Sankt Lorenzen – Moos

Gedenktafel „Jakob Huter“ (1986) und Informationstafel über die Hutterer (2018)

Diese beim Geburtsort von Jakob Huter („Proslhof“ vormals „Hueterhof“) erstellte und bebilderte sehr informative Tafel erzählt vom Leben Jakob Huters, den Glaubensgrundsätzen und von der Verfolgung sowie vom heutigen Leben der Hutterer. Ein Abschnitt ist der bisherigen Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Gesamttiroler Geschichte gewidmet. Darunter befindet sich eine in Kupfer gefasste Gedenktafel für Jakob Huter aus dem Jahr 1986. Anlässlich des 450sten Todestages hatte die Gemeinde St. Lorenzen ihren großen Sohn als Märtyrer des Glaubens gewürdigt.


Trens – Trenser Berg bei Sterzing Kapelle Partingerhof

Gedenktafel „Margaret Taler die eltere “ (2017)

Margaret Taler die ältere stammte vom Oberpartingerhof oberhalb von Trens. Sie war die Tochter des Ludwig Taler und seiner Frau Elisabeth, war die Frau des Martin Mäzler in Vallgenäun und Besitzerin des Mäzler Gutes dort. Etwa um das Jahr 1535 zog sie, mit der „wider tauff befleckht“ nach Mähren. Dort starb sie im Winter 1550.

In Erinnerung an sie hat Anton Hochrainer, derzeitiger Besitzer des Moar (Ober) Hofes (heute so genannt) auf Partinges, eine Plakette an der Kapelle angebracht. An diesem Ort stand der frühere Hof.